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Die Rückkehr

Die Garde wurde auf mehreren gemieteten Fahrzeugen eingeschifft, Napoleon selber bestieg am 26. Februar 1815 seine Brigg L'Innocent und landete, von den Engländern nicht bemerkt, am Nachmittag des 1. März zwischen Antibes und Cannes im Golf von Jouan. Sein Ziel war Paris und Napoleon wusste, dass der Erfolg vor allem von der Zeit abhing. Vor Elf Monaten hatte er Frankreich verlassen und wurde bei der Abreise von der Bevölkerung mit Schmährufen und Steinwürfen verabschiedet. Jetzt kehrte er zurück und hoffte, dass die Stimmung zu seinem Gunsten umgeschlagen war. Als er wieder französischen Boden unter sich hatte rief er "L'aigle avec le couleurs nationales volera de chlocher en clocher jusqu'aux tours de Notre-Dame" (Von Kirchturm zu Kirchturm wird der Adler mit den nationalen Farben fliegen bis auf die Türme von Notre-Dame).

Am 5. März erreichte ein Bote die Tuilerien und überbrachte Ludwig XVIII. die Depesche mit der Nachricht von Napoleons Landung in Frankreich. Noch sah er es als Bagatelle an und war sich sicher, dass die Polizei mit dem Problem fertig werden würde. Einige Stimmen waren sogar hoch erfreut, konnte man doch den Fall Bonaparte endgültig, und ohne Rücksicht auf europäische Vereinbarungen, zu einem Ende bringen.

Napoleon wandte sich durch das Gebirge nach der Dauphiné, wo ihn das Volk nicht unfreundlich, aber gleichgültig empfing. Einen Tag später schien die erste Schlacht unausweichlich. In dem Dorf Caps erhielt er die Nachricht, dass ein Bataillon des 5. Linienregiments aus Grenoble in Stellung gegangen war. Napoleon hatte ungefähr 1.100 Soldaten unter seinem Kommando und war damit dem Bataillon, welches nur aus 700 Mann bestand, überlegen. Doch ein Bürgerkrieg war das letzte was er suchte. Napoleon ließ die Trikolore ausrollen und die Marseillaise spielen. Dann ritt er auf die gegnerische Stellung zu. Als der Feuerbefehl erteilt wurde, öffnete er seinen aus vielen Schlachten bekannten grauen Mantel und wartete auf die Kugeln. Was ihn erreichte war ein lautes "Es lebe der Kaiser!" und die Soldaten stürzten jubelnd auf ihren Kaiser zu.

Am Abend wurde ihm die Regimentsfahne des 7. Linienregiments mit weiteren 1.800 Mann überreicht.  Mit dieser Streitmacht erschien er vor Grenoble. 2.000 Soldaten schützten die Stadt und waren bereit gegen ihn zu kämpfen, doch die Bewohner der Stadt hatten sich bewaffnet und jubelten ihrem Kaiser zu und die Stadttore wurden eingeschlagen.

Von Lyon aus, das Napoleon am 10. März erreichte, sollte der bourbonische Gegenschlag geführt werden. Der Comte d'Artois hatte die Verteidigung der Stadt übernommen. Napoleons Vormarsch war so schnell gewesen, dass dem Bruder des Königs nur zwei Kanonen zur Verfügung standen. Aber drei Regimenter und 1.500 Nationalgardisten unter dem Kommando von Marschall Etienne Jacques Joseph Alexandre Macdonald sollten ausreichen um den Korsen aufzuhalten. Während einer Truppenparade sollten die Soldaten "Es lebe der König rufen!", doch es blieb recht ruhig. Der Comte d'Artois fürchtete zu recht mit diesen Truppen keine Schlacht gewinnen zu können und reiste sofort zurück nach Paris. Am Abend zog Napoleon unter dem Jubel der Bevölkerung in Lyon ein. Macdonald kehrte nach Paris zurück, wo er die königstreuen Truppen übernahm, die Ludwig XVIII. wenig später bei seiner Flucht beschützen sollten.

Doch entschied erst der Abfall Neys am 14. März seinen Sieg. Ney, der über 4.000 Mann verfügte, hatte Ludwig versprochen Napoleon in einem eisernen Käfig vorzuführen. Napoleon akzeptierte, dass einige seiner alten Weggefährten sich in erster Linie Frankreich verpflichtet sahen und unter den Bourbonen dienten. Ney, sich ebenfalls seinem Gelöbnis an die Bourbonen verpflichtet, erhielt eine persönliche Einladung Napoleons. Ney überlegte lange Zeit, doch am Ende reiste er nach Auxerre um sich Napoleon anzuschließen.

Der Abfall von Ney erschütterte Paris. Anstatt sich dem Kaiser entgegenzustellen verließ Ludwig in der Nacht auf den 19. März die Hauptstadt Paris um erst nach Lille und dann nach Gent zu flüchten. Um den Bourbonen Zeit zur Flucht zu lassen, verzögerte Napoleon seine Ankunft in Paris, die erst am 20. März erfolgte. Innerhalb von 20 Tagen hatte er eine Strecke zurückgelegt, für die man sonst die doppelte Zeit brauchte. Er hatte seine eigene Prophezeiung wahr gemacht und war wie ein Adler von Dorf zu Dorf in die Hauptstadt zurückgekehrt.

Wie sehr sich die Fähnchen in Paris wieder drehten, verdeutlichen die Zeilen von Lamothe-Langon: "Das Ungeheuer hat die Insel Elba verlassen. Der Räuber landete in der Bucht von Cannes. Der Usurpator ist in Grenoble eingezogen. Der Korse hat zu Lyon die Behörden empfangen. Bonapartes Armee wurde durch die des Marschall Ney verstärkt. Der furchtbare Rival der Bourbons befindet sich zu Fontainebleau in demselben Gemach, in dem er seine Abdankung unterzeichnete. Seine kaiserliche Hoheit wird noch heute abend in den Tuilerien sein."

Doch zu behaupten Napoleons Rückkehr wurde von allen Franzosen herbeigesehnt ist falsch. Natürlich feierten ihn diejenigen, welche von den Bourbonen aus ihren Ämtern und Posten verjagt wurden. Viele auf Halbsold gesetzte Offiziere sehnten sich zurück in die Zeiten in denen sie mit Napoleon Ruhm und Ehre erreichten und standen damit im krassen Gegensatz zu den Millionen Franzosen die genug hatten von zwei Jahrzehnten Krieg.

So verwundert es nicht, dass gerade in den ländlichen Regionen Frankreichs  Napoleons Rückkehr sehr argwöhnisch betrachtet wurde. Ihre Ängste wurden bestätigt, als die ersten Soldaten wieder auf den Höfen erschienen um Pferde zu beschlagnahmen. Schon erinnerte man sich hier an die Tage, wo die Söhne eingezogen wurden um auf  Napoleons Schlachtfeldern zu sterben.

Napoleon war in Paris, aber sein über alles geliebter Sohn war weit entfernt. Marie Louise dachte nicht daran nach Paris zurückzukehren. Ihr gemeinsamer Sohn sollte schon bald an den Wiener Hof ziehen, damit ihm dort alles Französische ausgetrieben werden konnte und er ein österreichischer Prinz wurde.

Sein Bruder Lucien, 1804 ausgewandert und von 1810 bis 1814 in englischer Gefangenschaft, kehrte zurück und versöhnte sich mit seinem Bruder. Joseph und Jérôme traten ebenfalls an Napoleons Seite, nur Louis fürchtete um seinen Herrschaftsanspruch auf den niederländischen Thron und weigerte sich nach Frankreich zurückzukehren.

Durch Verleihung einer freien Verfassung und durch Berufung liberaler Männer, wie Carnot und Constant, versuchte Napoleon die konstitutionelle und die republikanische Partei zu gewinnen. Die neue Verfassung wurde im April veröffentlicht und von der Bevölkerung angenommen. 

Joseph wurde aufgefordert die russischen und österreichischen Abgesandten über die Respektierung der 1814 verabschiedeten Grenzen zu informieren. England wurde aufgefordert die Entscheidung des französischen Volkes zu akzeptieren.

Auf dem immer noch tagenden Wiener Kongress übernahm Talleyrand die Initiative und versammelte die Anwesenden hinter sich. Als verbrecherischer Akt wurde Napoleons Rückkehr verurteilt. England, Russland, Österreich und Preußen vereinbarten jeweils 150.000 Soldaten gegen Napoleon zu mobilisieren.

Napoleons Friedensangebote kamen ungeöffnet zurück. Wenn er das Kaiserreich sichern wollte, musste er wieder zu den Waffen greifen.

Nicht nur seine Frau und sein Sohn fehlten ihm, viel mehr sollte sich die Abwesenheit von vielen seiner alten Kampfgefährten auf die kommenden Ereignisse auswirken. Die großen Marschälle fehlten. Sie hatten sich entweder zur Ruhe gesetzt oder hielten sich im Hintergrund um die Lage in sicherem Abstand zu betrachten. Zu seinen fähigsten Männern gehört ausgerechnet Fouché. Dieser würde zu gerne das Außenministerium übernehmen, Napoleon setzt ihn wieder als Polizeiminister ein. Es darf angenommen werden, dass dieses Zugeständnis dazu dienen sollte Fouché unter Kontrolle zu bekommen. Fouché ist aber gerade deshalb fähig, weil er sich nicht so leicht kontrollieren lässt. Napoleon muss sich also noch stärker als in der Vergangenheit mit der Innenpolitik beschäftigen und gleichzeitig einen großen Krieg vorbereiten. Auch hier macht sich bemerkbar, dass ihm Untergebene vom Schlage eines Berthier fehlten und er diese Lücke nicht füllen konnte.